Das Wichtigste in Kürze:
- Die Dachdämmung bietet in der Regel das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis, weil über ein ungedämmtes Dach bis zu 30 Prozent der Heizwärme verloren gehen
- Die Reihenfolge lautet: Erst die Gebäudehülle verbessern (Dach, Fassade, Fenster), dann die Heizung anpassen
- Schweinfurter Wiederaufbau-Gebäude der 1950er Jahre haben praktisch keine Wärmedämmung und U-Werte, die das Fünf- bis Siebenfache moderner Anforderungen betragen
- Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt Mindeststandards bei Sanierungsmaßnahmen vor
- Ein Sachverständiger beurteilt den Ist-Zustand und empfiehlt die Maßnahmen mit dem größten Effekt
Energetische Sanierung bedeutet, den Energieverbrauch eines Gebäudes durch bauliche Maßnahmen zu senken. Die Frage, wo man anfangen soll, stellen sich viele Eigentümer, besonders bei älteren Häusern, in denen praktisch alles verbessert werden könnte. In Schweinfurt betrifft das einen großen Teil des Gebäudebestands: Nach der weitgehenden Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt in den 1950er bis 1970er Jahren ohne jede Wärmedämmung wiederaufgebaut. Ein Sachverständiger für Schweinfurt hilft, die Maßnahmen mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis zu identifizieren und die richtige Reihenfolge festzulegen.
Welche Maßnahme bringt die größte Einsparung?
Die Wirksamkeit einer Sanierungsmaßnahme hängt davon ab, wie viel Energie über das betreffende Bauteil verloren geht. Die größten Verlustquellen bei einem typischen unsanierten Altbau:
- Dach/Oberste Geschossdecke: 20 bis 30 Prozent der Heizwärme
- Außenwände: 25 bis 35 Prozent
- Fenster und Türen: 15 bis 20 Prozent
- Keller/Bodenplatte: 5 bis 10 Prozent
- Lüftungsverluste: 15 bis 25 Prozent
Daraus ergibt sich eine klare Rangfolge. Die Dachdämmung (oder alternativ die Dämmung der obersten Geschossdecke, falls der Dachraum nicht ausgebaut wird) bietet in den meisten Fällen das beste Verhältnis aus Investition und Einsparung. Bei der Fassadendämmung ist der absolute Effekt größer, aber die Kosten sind ebenfalls deutlich höher.
Wichtig: Diese Rangfolge ist ein statistischer Durchschnitt. Bei einem Gebäude mit neuem Dach, aber alten Einfachfenstern steht der Fensteraustausch an erster Stelle. Ein Sachverständiger bewertet den individuellen Zustand und die Prioritäten.
Auf unserer Seite zur Sanierungsberatung finden Sie weitere Informationen zu unserem Leistungsumfang.
Warum muss die Gebäudehülle vor der Heizung saniert werden?
Die Heizung wird nach dem Wärmebedarf des Gebäudes dimensioniert. In einem unsanierten Altbau ist dieser Wärmebedarf hoch, und die Heizung muss entsprechend groß sein. Wenn Sie zuerst die Heizung tauschen und dann die Gebäudehülle dämmen, sinkt der Wärmebedarf, aber die Heizung bleibt überdimensioniert.
Eine überdimensionierte Heizung hat mehrere Nachteile:
- Sie taktet häufiger (schaltet sich ein und aus), was den Verschleiß erhöht
- Sie arbeitet selten im optimalen Lastbereich, was den Wirkungsgrad senkt
- Bei Wärmepumpen ist die Überdimensionierung besonders nachteilig, weil die Effizienz (COP) bei Teillast sinkt
Die technisch richtige Reihenfolge ist daher: Erst die Hülle (Dach, Wand, Fenster), dann die Heizung. Die Heizung wird auf den gedämmten Zustand ausgelegt und arbeitet dann effizient.
Ausnahme: Wenn die alte Heizung defekt ist und sofort ersetzt werden muss, lässt sich die Reihenfolge nicht einhalten. In diesem Fall sollte die Heizung so dimensioniert werden, dass sie auch nach einer späteren Dämmung noch passt. Modulierende Systeme mit niedrigerer Vorlauftemperatur bieten hier die nötige Flexibilität.
Kontaktieren Sie uns für eine Bestandsaufnahme Ihres Gebäudes.
Was macht die 1950er-Gebäude in Schweinfurt zum typischen Sanierungsfall?
Der Wiederaufbau von Schweinfurt nach den 22 US-Luftangriffen auf die Kugellagerindustrie erfolgte unter enormem Zeitdruck. Die Gebäude dieser Epoche haben gemeinsame Merkmale, die sie zu idealen Kandidaten für eine energetische Sanierung machen.
Außenwände ohne Dämmung: Die typische Wandkonstruktion besteht aus 24 bis 36 Zentimeter Vollziegel- oder Hohlblockmauerwerk mit Kalkputz. Der U-Wert liegt bei 1,2 bis 1,8 W/(m²K). Die GEG-Anforderung bei einer Fassadensanierung liegt bei maximal 0,24 W/(m²K). Die Differenz zeigt das Einsparpotenzial.
Ungedämmte Dächer: Einfache Sparrendächer mit Dachziegel auf Lattung, ohne Unterspannbahn und ohne Dämmung. Im Bergl, dem größten Arbeiterviertel der Stadt, wurden viele Gebäude mit Flachdächern errichtet. Diese sind nach über 60 Jahren undicht und energetisch wertlos.
Alte Fenster: Ursprünglich Einscheibenverglasung in einfachen Holzrahmen. Teilweise in den 1980er oder 1990er Jahren durch Isolierverglasung ersetzt, aber oft ohne Anpassung der Anschlüsse und ohne Lüftungskonzept.
Veraltete Heizungen: Ursprünglich Einzelöfen (Kohle, Öl), später durch Zentralheizungen mit hohen Vorlauftemperaturen ersetzt. Die Heizkörper sind auf 70/55 Grad ausgelegt und damit für Wärmepumpen ohne Vorlaufsenkung nicht geeignet.
Diese Kombination aus fehlender Dämmung und veralteter Haustechnik führt zu einem Heizenergieverbrauch, der beim Drei- bis Fünffachen eines modernen Gebäudes liegt. Die gute Nachricht: Gerade weil der Ausgangszustand so schlecht ist, bringt jede einzelne Maßnahme eine spürbare Verbesserung.
Informationen zur Bauthermografie zeigen, wie Wärmeverluste sichtbar gemacht werden können.
Welche Rolle spielt das unterfränkische Klima bei der energetischen Sanierung?
Unterfranken ist die wärmste und trockenste Region Bayerns. Das hat Konsequenzen für die energetische Sanierung, die nicht nur auf den Winter ausgerichtet sein sollte.
Sommerlicher Wärmeschutz: Die hohe Anzahl an Hitzetagen belastet besonders Flachdächer und Dachgeschosse. In den Bergl-Hochhäusern und den 8-stöckigen Punkthäusern ohne Dachgeschossdämmung werden im Sommer Temperaturen von über 35 Grad in den oberen Etagen erreicht. Eine Dachdämmung verbessert nicht nur den Winterwärmeschutz, sondern auch den sommerlichen Hitzeschutz erheblich.
Geringe Frostbelastung: Weniger Frosttage bedeuten weniger Frostsprengung an Fassaden und weniger Frost-Tau-Wechsel an der Dachabdichtung. Das ist ein Vorteil für die Haltbarkeit von WDVS-Systemen und Fassadenputz.
Trockenheit und Gipskeuper: Die sommerliche Trockenheit lässt die Gipskeuper-Böden schrumpfen. Das kann zu Setzungsrissen führen, die auch die Gebäudehülle betreffen. Bei der Sanierung sollte geprüft werden, ob vorhandene Risse auf Bodenbewegungen zurückzuführen sind, bevor die Fassade gedämmt wird.
Was schreibt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) bei der Sanierung vor?
Das GEG stellt keine Pflicht zur Komplettsanierung auf. Aber wenn Sie ein Bauteil ohnehin sanieren, muss das neue Bauteil bestimmte Mindestanforderungen erfüllen (sogenannte bedingte Anforderungen nach § 48 GEG).
Beispiele:
- Wenn Sie das Dach neu eindecken und dabei mehr als zehn Prozent der Fläche ersetzen, muss die Dämmung einen U-Wert von maximal 0,24 W/(m²K) erreichen
- Wenn Sie die Fassade verputzen und dabei mehr als zehn Prozent der Fläche erneuern, muss die Wand auf einen U-Wert von maximal 0,24 W/(m²K) gedämmt werden
- Neue Fenster müssen einen U-Wert von maximal 1,3 W/(m²K) haben
Bei Baudenkmälern gelten Ausnahmen. Wenn die GEG-Anforderungen das Erscheinungsbild oder die Substanz des Denkmals beeinträchtigen würden, kann die Denkmalschutzbehörde eine Befreiung erteilen. In Schweinfurt betrifft das die rund 170 Baudenkmäler und sechs Denkmal-Ensembles, insbesondere die verputzten Fachwerkgebäude im Zürch und die erhaltenen Renaissance- und Barockbauten in der Altstadt.
Hinweis: Ein Sachverständiger für Schweinfurt berät zur baulichen Umsetzung der Maßnahmen und prüft die Ausführungsqualität. Die Erstellung von Energieausweisen und die Energieberatung sind nicht Teil unseres Leistungsumfangs. Dafür wenden Sie sich an einen zugelassenen Energieberater.
Auf unserer Seite zur Bauschadenbewertung finden Sie Informationen zur Bewertung vorhandener Schäden.
Welche Reihenfolge empfiehlt sich für ein typisches Schweinfurter Nachkriegsgebäude?
Ein Mehrfamilienhaus aus den 1950er Jahren in den Schweinfurter Kernstadtlagen, wie es dort vielfach vorkommt, hat typischerweise folgendes Schadensprofil:
- Dach: Keine Dämmung, Ziegel brüchig oder Flachdach mit überalterter Abdichtung. Priorität: Hoch.
- Keller: Feuchte Wände durch fehlende oder schadhafte Abdichtung. In Main-nahen Lagen zusätzlich drückendes Grundwasser. Priorität: Hoch (weil fortschreitender Substanzverlust).
- Fassade: 24 bis 36 cm Mauerwerk ohne Dämmung, Putzschäden durch Hitzebelastung und Setzungsrisse. WDVS-Nachrüstung möglich. Priorität: Hoch.
- Fenster: Einfachverglasung oder veraltete Isolierverglasung. Austausch gegen moderne Dreifachverglasung. Priorität: Mittel bis hoch.
- Heizung: Wird zuletzt dimensioniert und eingebaut, ausgelegt auf den gedämmten Zustand. Priorität: Abhängig vom Zustand der bestehenden Anlage.
Diese Reihenfolge berücksichtigt die technischen Abhängigkeiten. Bei den meisten Nachkriegsgebäuden in Schweinfurt bestehen keine denkmalrechtlichen Einschränkungen, sodass die Sanierung rein nach technischen und wirtschaftlichen Kriterien geplant werden kann. Informationen zur baubegleitenden Qualitätssicherung zeigen, wie die fachgerechte Ausführung kontrolliert wird.
Häufige Fragen
Muss ich mein Haus energetisch sanieren?
Eine generelle Sanierungspflicht gibt es nicht. Das GEG schreibt Mindestanforderungen vor, wenn Sie ohnehin Bauteile erneuern (bedingte Anforderungen). Ausnahme: Die oberste Geschossdecke muss gedämmt werden, wenn sie nicht den Mindestanforderungen entspricht und das Dachgeschoss nicht ausgebaut ist (§ 47 GEG).
Wie viel Energie kann ich durch eine Dachdämmung sparen?
Bei einem ungedämmten Dach können 20 bis 30 Prozent der Heizwärme verloren gehen. Eine fachgerecht ausgeführte Dachdämmung reduziert diesen Verlust auf einen Bruchteil. Die konkrete Einsparung hängt von der Dämmstoffdicke, dem Material und dem Ausgangszustand ab.
Was ist der Unterschied zwischen Energieberater und Bausachverständiger?
Der Energieberater erstellt Energieausweise, berechnet den Energiebedarf und empfiehlt energetische Maßnahmen. Der Bausachverständige prüft den baulichen Zustand, bewertet Schäden und kontrolliert die Ausführung von Sanierungsmaßnahmen. Beide Rollen ergänzen sich, sind aber nicht identisch. Aichinger Constructions bietet Sachverständigenleistungen an, keine Energieberatung.
Lohnt sich eine Innendämmung?
Wenn eine Außendämmung nicht möglich ist (Denkmalschutz, Grenzbebauung), ist Innendämmung die Alternative. Sie reduziert den Wärmeverlust durch die Außenwand deutlich. Die Ausführung muss fachlich korrekt sein, insbesondere die Dampfbremse, sonst drohen Feuchteschäden hinter der Verkleidung.
Gelten bei Baudenkmälern in Schweinfurt Ausnahmen vom GEG?
Ja. Wenn die Erfüllung der GEG-Anforderungen das Erscheinungsbild oder die Substanz eines Denkmals beeinträchtigen würde, kann die Denkmalschutzbehörde eine Befreiung erteilen. Das betrifft die rund 170 Baudenkmäler in Schweinfurt, vor allem im Zürch und in der Altstadt.
Brauche ich für jede Maßnahme eine Baugenehmigung?
Nicht für jede Maßnahme. Eine Dachdämmung von innen oder eine Kellerabdichtung sind in der Regel genehmigungsfrei. Bei denkmalgeschützten Gebäuden sind Fassadenveränderungen, Fensteraustausch und Dachumbau genehmigungspflichtig. Bei nicht denkmalgeschützten Nachkriegsbauten gelten die normalen baurechtlichen Vorschriften.
Kann ein Sachverständiger die energetische Sanierung begleiten?
Ja. Ein baubegleitender Sachverständiger kontrolliert die fachgerechte Ausführung der Sanierungsmaßnahmen: richtige Dämmstoffstärke, korrekte Dampfbremse, dichte Fensteranschlüsse, fachgerechte Kellerabdichtung. Das ist besonders bei Altbauten wichtig, weil die vorhandene Bausubstanz oft Überraschungen bereithält.
Was ist mit den Flachdächern im Bergl?
Die Flachdächer der 1950er- bis 1970er-Jahre Zeilenbauten und Punkthäuser im Bergl haben ihre Lebensdauer überschritten. Eine Kompletterneuerung der Abdichtung mit gleichzeitiger Aufdachdämmung ist in der Regel die wirtschaftlichste Lösung. Dabei wird auch der sommerliche Wärmeschutz verbessert, was in den oberen Stockwerken die Wohnqualität deutlich steigert.
Sie planen eine energetische Sanierung für Schweinfurt und Umgebung? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. DEKRA-zertifizierter Sachverständiger Jörg Aichinger beurteilt den Zustand Ihres Gebäudes und begleitet die Sanierung fachlich.