DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Schweinfurt
Baubegleitung & Qualitätssicherung 18.03.2026 · Jörg Aichinger
Bauthermografie: Wärmebrücken sichtbar machen

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Bauthermografie macht Wärmeverluste an der Gebäudehülle sichtbar, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind
  • Für aussagekräftige Ergebnisse braucht es mindestens 15 Grad Temperaturdifferenz zwischen innen und außen
  • Die Messung erfolgt idealerweise bei bedecktem Himmel, ohne Wind und ohne direkte Sonneneinstrahlung
  • Thermografie ist ein Indikator, keine abschließende Diagnose. Weitere Untersuchungen sind oft nötig
  • Schweinfurts Wiederaufbau-Gebäude der 1950er Jahre zeigen häufig massive Wärmebrücken an Fensterlaibungen und Geschossdecken

Die Bauthermografie zählt zu den wirksamsten Werkzeugen, um energetische Schwachstellen und verdeckte Baumängel an Gebäuden aufzuspüren. Für Schweinfurt und Umgebung ist die Methode besonders aufschlussreich, da über die Hälfte des Gebäudebestands aus dem Wiederaufbau nach 1945 stammt und diese Gebäude in der Regel ohne jede Wärmedämmung errichtet wurden. In diesem Artikel erfahren Sie, wie die Bauthermografie funktioniert, unter welchen Bedingungen sie sinnvoll ist und wo ihre Grenzen liegen.

Wie funktioniert eine Wärmebildkamera am Gebäude?

Jeder Körper mit einer Temperatur über dem absoluten Nullpunkt sendet Infrarotstrahlung aus. Eine Wärmebildkamera (auch Infrarotkamera genannt) erfasst diese Strahlung und wandelt sie in ein farbcodiertes Bild um. Warme Bereiche erscheinen in Rot-, Gelb- und Weißtönen, kalte Bereiche in Blau und Violett.

An der Außenfassade eines beheizten Gebäudes bedeuten warme Stellen: Dort dringt mehr Wärme nach außen als an den umliegenden Flächen. Die Ursachen sind entweder konstruktive Wärmebrücken (z.B. durchlaufende Betondecken, Stahlträger) oder Ausführungsfehler (z.B. verrutschte Dämmmatten, fehlende Dämmung hinter Heizkörpernischen).

Von innen aufgenommen, zeigen sich dieselben Schwachstellen als kalte Flächen an Wänden und Decken. An diesen kalten Stellen kann Raumluftfeuchtigkeit kondensieren, was wiederum Schimmelbildung begünstigt. Bei den ungedämmten Außenwänden der Nachkriegsbauten im Schweinfurter Stadtteil Bergl, die oft nur 24 Zentimeter dicke Ziegelwände aufweisen, zeigen sich solche kalten Stellen besonders deutlich.

Welche Bedingungen braucht eine aussagekräftige Thermografie?

Eine Bauthermografie liefert nicht unter allen Umständen verwertbare Ergebnisse. Mehrere Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Aufnahmen tatsächlich nutzbar sind.

Die Temperaturdifferenz zwischen Innenraum und Außenluft sollte mindestens 15 Grad Celsius betragen. Bei einer Raumtemperatur von 20 Grad heißt das: Die Außentemperatur darf maximal 5 Grad betragen. Die Messung sollte bei bedecktem Himmel oder in der Dämmerung erfolgen, da Sonneneinstrahlung die Fassade aufheizt und die Wärmebilder verfälscht. Starker Wind kühlt die Fassade gleichmäßig ab und verwischt die Temperaturunterschiede. Regen und Schnee auf der Fassade stören die Messung ebenfalls.

Das Gebäude muss vor der Messung mindestens 24 Stunden gleichmäßig beheizt worden sein. Fenster und Türen müssen geschlossen bleiben. Heizkörper direkt hinter der Fassade können auf den Außenaufnahmen als vermeintliche Wärmebrücken erscheinen und müssen bei der Auswertung berücksichtigt werden.

Unterfranken ist zwar die wärmste Region Bayerns, doch in den Wintermonaten von November bis Februar herrschen auch in Schweinfurt regelmäßig Außentemperaturen unter 5 Grad, die für die Thermografie geeignet sind. Mehr zu unserer Thermografie-Leistung erfahren Sie auf unserer Seite zur Bauthermografie.

Welche Schwachstellen deckt die Thermografie auf?

Die Bauthermografie eignet sich zur Erkennung verschiedener Gebäudeschwachstellen:

Wärmebrücken: Fensterlaibungen, Rollladenkästen, Heizkörpernischen, Deckenanschlüsse und Balkone sind typische Stellen, an denen die Wärmedämmung konstruktionsbedingt geschwächt ist. Bei den schlichten Wiederaufbau-Fassaden der 1950er Jahre in der Schweinfurter Altstadt, wo massive Betondecken ohne thermische Trennung in die Außenwand einbinden, leuchten diese Stellen im Wärmebild besonders auf.

Fehlstellen in der Dämmung: Verrutschte Dämmmatten, vergessene Bereiche oder nachträglich beschädigte Dämmschichten werden auf dem Wärmebild als warme Flecken sichtbar. Bei einer nachträglichen Fassadendämmung im Bestand lässt sich so die Qualität der Ausführung kontrollieren.

Undichtigkeiten in der Gebäudehülle: Fugen, Anschlüsse und Durchdringungen, durch die Luft strömt, zeigen sich im Wärmebild als streifenförmige Temperaturanomalien. In Kombination mit einem Blower-Door-Test werden solche Stellen noch deutlicher sichtbar.

Feuchtigkeit in Bauteilen: Feuchte Stellen verhalten sich thermisch anders als trockene Bereiche, weil Wasser die Wärmeleitfähigkeit erhöht. Feuchte Kellerwände, undichte Flachdächer und Leitungsschäden können so lokalisiert werden.

Heizungsprobleme: Nicht durchströmte Heizkörper, verstopfte Heizungsrohre und Leckagen in Fußbodenheizungen lassen sich mit der Thermografie aufspüren.

Kontaktieren Sie uns für einen Thermografie-Termin in den Wintermonaten.

Was kann die Thermografie nicht leisten?

Trotz ihrer Leistungsfähigkeit hat die Bauthermografie klare Grenzen, die Sie kennen sollten.

Die Thermografie kann nicht durch massive Bauteile hindurchsehen. Eine feuchte Stelle hinter einer 36 Zentimeter dicken Ziegelwand wird von außen nicht erkannt. Ebenso wenig zeigt die Kamera den Zustand verdeckter Installationen, verborgener Holzschäden oder den Zustand von Abdichtungen unter dem Estrich.

Ein Wärmebild allein ist kein Beweis für einen Baumangel. Es zeigt Temperaturunterschiede, die verschiedene Ursachen haben können. Eine warme Stelle an der Fassade kann eine Wärmebrücke sein, aber auch ein Warmwasserrohr oder ein Heizkörper direkt hinter der Wand. Erst die fachkundige Interpretation im Zusammenhang mit der Bauweise, dem Gebäudealter und den Konstruktionsdetails ergibt eine belastbare Aussage.

Deshalb ist die Thermografie immer als Teil einer umfassenderen Untersuchung zu verstehen. Der Sachverständige kombiniert die Wärmebilder mit den Informationen aus der Bauakte, der Sichtprüfung vor Ort und gegebenenfalls mit Feuchtemessungen oder Materialproben. Weitere Informationen zu unseren Gutachterleistungen finden Sie auf unserer Seite zu Gutachten.

Thermografie bei Neubau und Altbau: Unterschiedliche Zielsetzungen

Im Neubau dient die Thermografie als Qualitätskontrolle vor der Abnahme. Wurden alle Dämmschichten lückenlos verlegt? Sind die Fensteranschlüsse dicht? Gibt es Ausführungsfehler, die sich jetzt noch korrigieren lassen? In Kombination mit dem Blower-Door-Test ergibt sich ein vollständiges Bild der energetischen Qualität des Gebäudes. Informationen zur baubegleitenden Qualitätssicherung finden Sie auf unserer Seite zur Baubegleitung.

Im Altbau liefert die Thermografie eine Bestandsaufnahme des energetischen Zustands. Welche Bauteile verlieren am meisten Wärme? Wo gibt es Wärmebrücken, die gleichzeitig ein Schimmelrisiko darstellen? Wo lohnt sich eine Nachdämmung am ehesten? Diese Informationen sind die Grundlage für einen sinnvollen Sanierungsplan. Erfahren Sie mehr auf unserer Seite zur Sanierungsberatung.

Gerade beim Kauf einer Bestandsimmobilie liefert die Thermografie dem Käufer auf einen Blick eine Übersicht über die größten Wärmeverluste. Das hilft bei der realistischen Einschätzung der Sanierungskosten und kann eine wertvolle Verhandlungsgrundlage sein. In Schweinfurt, wo viele Wohngebäude aus den 1950er bis 1970er Jahren stammen und teilweise noch Einfachverglasung oder ungedämmte Außenwände aufweisen, ist diese Vorabprüfung besonders aufschlussreich. Informationen zur Kaufbegleitung finden Sie auf unserer Seite zur Hauskaufberatung.

Thermografie und Blower-Door-Test: Die stärkste Kombination

Die aussagekräftigste Untersuchung der Gebäudehülle entsteht durch die Kombination von Thermografie und Blower-Door-Test. Dabei wird ein Ventilator in eine Außentür eingesetzt und ein definierter Unterdruck im Gebäude erzeugt. Durch den Unterdruck strömt kalte Außenluft durch sämtliche Undichtigkeiten ins Gebäudeinnere. Diese Leckstellen werden an der Innenseite als kalte Streifen oder Flecken in der Wärmebildkamera sichtbar.

Ohne den Blower-Door-Test bleiben manche Undichtigkeiten in der Thermografie unsichtbar, weil der natürliche Luftdruckunterschied zu gering ist. Mit dem künstlich erzeugten Unterdruck werden selbst kleine Fugen und Ritzen deutlich erkennbar.

Diese Kombination empfiehlt sich besonders bei der Qualitätskontrolle vor der Bauabnahme und bei der Sanierungsplanung älterer Gebäude.

Typische Thermografie-Befunde an Schweinfurter Gebäuden

Der Gebäudebestand in Schweinfurt weist einige Besonderheiten auf, die sich in der Thermografie regelmäßig zeigen.

Die nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebauten Gebäude in der Innenstadt und im Stadtteil Bergl wurden in der Regel ohne jede Wärmedämmung errichtet. Durchlaufende Betondecken, die als massive Wärmebrücken fungieren, sind im Wärmebild deutlich als horizontale warme Streifen an der Fassade erkennbar. Bei den 8-stöckigen Punkthäusern und der 135 Meter langen Wohnscheibe im Bergl zeigt sich dieses Muster an jedem Geschoss.

Im historischen Viertel Zürch finden sich verputzte Fachwerkgebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert, deren Gefache häufig unterschiedliche Wärmeleitfähigkeit aufweisen. Im Wärmebild zeichnet sich die Fachwerkstruktur als Muster warmer und kühler Bereiche ab.

Die Gebäude der Gartenstadt (ab 1920) im Heimatschutzstil sind über 100 Jahre alt und zeigen typischerweise Wärmeverluste an den Fensteranschlüssen und den Dachübergängen. Die Sommerhitze im Schweinfurter Becken belastet zudem die Putzfassaden, was zu Rissen und damit zu Undichtigkeiten führen kann.

Was kostet eine Bauthermografie?

Die Kosten hängen vom Umfang der Untersuchung ab. Die einfachste Variante ist ein Außenrundgang mit Aufnahmen aller vier Fassadenseiten und einer kurzen Dokumentation. Aufwändiger ist eine Innenthermografie aller Räume einschließlich Keller und Dachboden. Die umfassendste Untersuchung kombiniert Innen- und Außenthermografie mit einem Blower-Door-Test.

Ein seriöser Thermografie-Bericht enthält für jede Aufnahme das Wärmebild, ein Echtfarbfoto zur Orientierung, die Messparameter (Emissionsgrad, Referenztemperatur, Abstand) sowie eine fachliche Bewertung der Befunde. Nur mit dieser vollständigen Dokumentation haben Sie eine belastbare Grundlage, die auch in einem Rechtsstreit Bestand hat. Einen Überblick über unsere Preisstruktur finden Sie auf unserer Kostenseite.

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Häufige Fragen

Kann ich eine Thermografie auch im Sommer durchführen lassen?

Im Sommer fehlt in der Regel die nötige Temperaturdifferenz zwischen innen und außen. Eine Ausnahme sind Innenthermografien zur Feuchteortung, die auch bei warmen Temperaturen funktionieren.

Reicht ein Wärmebild als Beweis für einen Baumangel?

Nein. Ein Wärmebild zeigt Temperaturanomalien, die verschiedene Ursachen haben können. Es ist ein Indikator, der durch weitere Untersuchungen bestätigt werden muss.

Muss die Heizung für die Messung laufen?

Ja. Das Gebäude muss mindestens 24 Stunden vor der Messung gleichmäßig beheizt worden sein. Alle Fenster und Türen sollten in dieser Zeit geschlossen bleiben.

Kann ich mit einer Smartphone-Wärmebildkamera selbst messen?

Einfache Wärmebildaufsätze für Smartphones haben eine sehr geringe Auflösung und eignen sich allenfalls für grobe Orientierung. Professionelle Kameras mit hoher Auflösung und kalibrierten Sensoren liefern deutlich bessere Ergebnisse, erfordern aber auch Erfahrung in der Interpretation.

Wie lange dauert eine Thermografie-Untersuchung?

Ein reiner Außenrundgang dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Eine vollständige Innen- und Außenthermografie mit Dokumentation benötigt zwei bis drei Stunden, je nach Gebäudegröße.

Wann sollte eine Thermografie für Schweinfurt durchgeführt werden?

Die Monate November bis Februar bieten ideale Voraussetzungen, da die Außentemperaturen regelmäßig unter 5 Grad liegen. Idealerweise wählt man einen bewölkten, windstillen Tag in den frühen Morgenstunden oder nach Sonnenuntergang.

Erkennt die Thermografie auch Wasserrohrbrüche?

Austretende Feuchtigkeit kann sich auf Wärmebildern als Temperaturanomalie zeigen. Für die gezielte Leckortung in Leitungssystemen gibt es allerdings spezialisiertere Verfahren wie akustische Leckortung.

Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular für eine Bauthermografie für Schweinfurt und Umgebung.

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