DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Schweinfurt
Sanierung & Modernisierung 18.03.2026 · Jörg Aichinger
Asbest im Altbau: Erkennen und sicher entsorgen

Das Wichtigste in Kürze:

  • Asbest wurde in Deutschland zwischen 1950 und 1993 massenhaft verbaut. Seit 1993 ist die Herstellung und Verwendung verboten. In Bestandsgebäuden ist er jedoch weiterhin vorhanden.
  • Typische Fundorte sind Eternit-Wellplatten an Dächern und Fassaden, Flex-Platten (Floor-Flex) als Bodenbelag, Rohrisolierungen, Nachtspeicheröfen, Fensterbänke und bestimmte Putze und Spachtelungen.
  • Fest gebundener Asbest (Eternit, Fassadenplatten) ist ungefährlich, solange er nicht bearbeitet, gebrochen oder angebohrt wird. Schwach gebundener Asbest (Spritzasbest, Rohrisolierungen) kann auch ohne Bearbeitung Fasern freisetzen.
  • Die Entfernung asbesthaltiger Materialien darf nur durch zertifizierte Fachfirmen erfolgen. Selbstentfernung ist nach TRGS 519 verboten.
  • Vor einer Sanierung oder einem Abbruch sollte ein Schadstoffgutachten klären, ob und wo Asbest vorhanden ist.

Asbest im Altbau ist ein Thema, das bei Sanierungen, Umbauten und Immobilienkäufen regelmäßig auftaucht. In Schweinfurt betrifft es vor allem Gebäude der 1960er und 1970er Jahre, die im Bergl, in Haardt und in Teilen der Innenstadt in großer Zahl stehen. Diese Gebäude wurden in einer Zeit errichtet, als Asbest als vielseitiger und preiswerter Baustoff galt. Erst mit dem Verbot 1993 endete die Verwendung. Was bedeutet das für Eigentümer heute?

In welchen Bauprodukten steckt Asbest?

Asbest wurde in über 3.000 verschiedenen Produkten verarbeitet. Im Hochbau sind etwa ein Dutzend Anwendungen besonders verbreitet.

Man unterscheidet zwischen fest gebundenem und schwach gebundenem Asbest. Bei fest gebundenen Produkten ist der Asbestanteil in einer Zementmatrix eingeschlossen und liegt typischerweise bei 10 bis 15 Prozent. Bei schwach gebundenen Produkten beträgt der Asbestanteil bis zu 60 Prozent, und die Fasern können leichter freigesetzt werden.

Fest gebundene Asbestprodukte:

  • Eternit-Wellplatten und Dachplatten: Faserzementplatten an Dächern, Fassaden und Garagenwänden. Grau, wellig oder glatt. Sehr häufig bei Nebengebäuden, Garagen und Industriebauten.
  • Fassadenverkleidungen: Flache Faserzementplatten als Fassadenverkleidung, typisch in den 1970er Jahren.
  • Floor-Flex-Platten: Vinyl-Asbest-Fliesen als Bodenbelag, 25x25 cm oder 30x30 cm, oft unter späteren Belägen verborgen. Typisch in Küchen, Fluren und Bädern der 1960er und 1970er Jahre.
  • Rohre und Blumenkästen: Asbestzement-Abwasserrohre und Blumenkästen aus Eternit.
  • Fensterbänke: Innere Fensterbänke aus Faserzement in Nachkriegsbauten.

Schwach gebundene Asbestprodukte (höheres Risiko):

  • Spritzasbest: Brandschutz- und Akustikisolierung an Stahlträgern und Decken. In Schweinfurt vor allem in Industriegebäuden und größeren Wohnbauten der 1960er Jahre denkbar.
  • Rohrisolierungen: Asbesthaltige Ummantelung von Heizungsrohren im Keller. Grau-weiße, faserige Masse.
  • Nachtspeicheröfen: Ältere Modelle (vor 1977) enthalten häufig Asbest als Wärmedämmung.
  • Putze und Spachtelmassen: Bestimmte Leichtbauputze und Spachtelmassen der 1960er und 1970er Jahre enthalten Asbestfasern.

Mehr zur Bewertung von Gebäudeschäden finden Sie auf unserer Seite zur Bauschaden-Bewertung.

Wo ist Asbest in Schweinfurter Gebäuden besonders häufig?

Die Verteilung korreliert direkt mit den Baujahren der Stadtteile. Im Bergl und in Haardt ist das Risiko am höchsten.

Der Bergl, Schweinfurts größtes Arbeiterviertel, wurde in den 1950er bis 1970er Jahren gebaut. Die Zeilenbauten, 8-stöckigen Punkthäuser und die 135 Meter lange Wohnscheibe stammen aus einer Epoche, in der Asbest standardmäßig eingesetzt wurde. Floor-Flex-Platten in Treppenhäusern und Wohnungen, Eternit-Platten an Balkonen und Fassaden, Rohrisolierungen in Kellern und asbesthaltige Spachtelmassen sind hier verbreitet.

In Haardt, das ab 1965 entwickelt wurde, bestehen ähnliche Risiken bei den Einfamilienhäusern und Wohnblöcken der 1970er-Bausubstanz. Eternit-Dachplatten und Fassadenverkleidungen sind typisch für diese Epoche.

In der Altstadt und im Zürch ist Asbest seltener, da die erhaltenen älteren Gebäude vor der Asbest-Ära gebaut wurden. Allerdings können Nachkriegs-Reparaturen und Modernisierungen in den 1960er Jahren asbesthaltige Materialien in historische Bausubstanz eingebracht haben.

Die Eselshöhe als jüngster Stadtteil (ab 1984) ist weniger betroffen, da die Verwendung von Asbest in den 1980er Jahren bereits rückläufig war und 1993 vollständig verboten wurde.

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Wie erkennt man Asbest?

Eine sichere Identifikation ist nur durch eine Laboranalyse möglich. Es gibt jedoch Hinweise, die einen Verdacht begründen.

Asbest lässt sich nicht mit bloßem Auge erkennen. Die Fasern sind mikroskopisch klein. Folgende Anhaltspunkte deuten auf mögliche Asbestbelastung hin:

  • Baujahr: Gebäude, die zwischen 1960 und 1993 gebaut oder saniert wurden, haben eine hohe Wahrscheinlichkeit, asbesthaltige Materialien zu enthalten.
  • Graue Wellplatten an Dach oder Fassade: Typisches Eternit-Format. Faserzement nach 1993 ist asbestfrei, ältere Platten fast immer asbesthaltig.
  • Quadratische Bodenfliesen (25x25 oder 30x30 cm): Floor-Flex-Platten unter späteren Bodenbelägen. Oft beim Abreißen von Teppich oder PVC sichtbar.
  • Grauweiße, faserige Rohrisolierung im Keller: Deutlicher Verdacht auf schwach gebundenen Asbest.
  • Alte Nachtspeicheröfen: Typenschild prüfen. Modelle vor 1977 häufig asbesthaltig.

Im Zweifelsfall gilt: Nicht anfassen, nicht bohren, nicht brechen. Eine Probe sollte von einem Fachbetrieb entnommen und im Labor analysiert werden. Die Analyse kostet je nach Material und Labor einen überschaubaren Betrag und schafft Klarheit.

Warum ist Asbest gefährlich?

Asbestfasern sind krebserregend. Beim Einatmen dringen sie tief in die Lunge ein und können dort Erkrankungen auslösen, die erst Jahrzehnte später auftreten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft alle Asbestarten als krebserregend der Kategorie 1 ein. Die wichtigsten durch Asbest verursachten Erkrankungen sind:

  • Asbestose: Vernarbung des Lungengewebes durch eingeatmete Fasern. Tritt nach langjähriger Exposition auf.
  • Mesotheliom: Bösartiger Tumor des Rippenfells oder Bauchfells. Latenzzeit 20 bis 50 Jahre.
  • Lungenkrebs: Erhöhtes Risiko, besonders in Kombination mit Rauchen.

Entscheidend ist: Die Gefahr besteht beim Einatmen der Fasern. Fest gebundener Asbest in intaktem Zustand setzt keine Fasern frei. Eine unbeschädigte Eternit-Platte an einer Fassade ist nicht unmittelbar gefährlich. Erst wenn das Material bearbeitet, gebrochen, gebohrt, gesägt oder verwittert wird, werden Fasern freigesetzt.

Schwach gebundener Asbest kann dagegen auch ohne mechanische Einwirkung Fasern abgeben, etwa durch Alterung und Zerfall. Spritzasbest und beschädigte Rohrisolierungen stellen ein erhöhtes Risiko dar und müssen saniert werden.

Wie läuft eine fachgerechte Asbestentsorgung ab?

Die Entfernung asbesthaltiger Materialien ist in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS 519) geregelt. Nur zertifizierte Fachfirmen mit Sachkundenachweis dürfen Asbestarbeiten durchführen.

Der Ablauf einer fachgerechten Asbestsanierung umfasst folgende Schritte:

  1. Bestandsaufnahme: Wo befindet sich Asbest? Welcher Typ (fest oder schwach gebunden)? Laboranalyse der Materialproben.
  2. Sanierungskonzept: Entfernung, Beschichtung oder Einhausung? Bei fest gebundenem Asbest in gutem Zustand kann eine Beschichtung oder Überbauung ausreichen. Bei schwach gebundenem Asbest ist die Entfernung in der Regel die einzige Option.
  3. Anzeige bei der Behörde: Asbestarbeiten müssen bei der zuständigen Behörde (Gewerbeaufsicht) angezeigt werden. Die Anzeigefrist beträgt sieben Tage vor Arbeitsbeginn.
  4. Durchführung: Schwarzbereich einrichten, Unterdruck erzeugen, Material nass bearbeiten, staubdicht verpacken. Persönliche Schutzausrüstung mit Atemschutz (mindestens FFP3 oder Vollmaske mit P3-Filter).
  5. Entsorgung: Asbestabfälle müssen als gefährlicher Abfall deklariert und auf einer zugelassenen Deponie entsorgt werden.
  6. Freimessung: Nach der Sanierung wird die Raumluft gemessen, um sicherzustellen, dass keine erhöhte Faserkonzentration mehr vorliegt.

Die Kosten für eine professionelle Asbestsanierung hängen von der Menge, dem Typ und der Zugänglichkeit des Materials ab. Allgemeine Informationen zu Sachverständigenleistungen finden Sie auf unserer Kostenseite.

Was müssen Käufer von Altbauten beachten?

Beim Kauf eines Gebäudes aus den 1960er bis 1980er Jahren sollte das Thema Asbest Teil der Kaufprüfung sein.

Ein Verkäufer ist nicht verpflichtet, ein Schadstoffgutachten vorlegen. Allerdings darf er bekannte Asbestbelastungen nicht verschweigen (arglistiges Verschweigen). In der Praxis wissen viele Eigentümer gar nicht, dass ihre Bodenfliesen, Rohrisolierungen oder Fassadenplatten Asbest enthalten.

Bei einer Hauskaufberatung weist ein erfahrener Sachverständiger auf verdächtige Materialien hin und empfiehlt gegebenenfalls eine Laboranalyse. Das schafft Klarheit vor dem Kaufvertrag und ermöglicht eine realistische Kalkulation der Sanierungskosten.

In Schweinfurt ist die Wahrscheinlichkeit, auf Asbest zu stoßen, in folgenden Konstellationen besonders hoch:

  • Wohnungen im Bergl mit Originalausstattung der 1960er Jahre
  • Einfamilienhäuser in Haardt (ab 1965) mit Eternit-Dach oder Fassade
  • Gebäude mit nachträglich eingebauten Nachtspeicheröfen
  • Kellerräume mit Rohrisolierungen an Heizungsleitungen

Weitere Informationen zur systematischen Prüfung vor dem Kauf finden Sie auf unserer Seite zur Bauzustandsprüfung.

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Häufige Fragen

Darf ich Asbest selbst entfernen?

Nein. Nach TRGS 519 dürfen Asbestarbeiten nur von Fachfirmen mit Sachkundenachweis durchgeführt werden. Selbstentfernung verstößt gegen die Gefahrstoffverordnung und gefährdet Ihre Gesundheit und die Ihrer Nachbarn.

Muss intakter Asbest sofort entfernt werden?

Nein. Fest gebundener Asbest in gutem Zustand (unbeschädigt, nicht verwittert) muss nicht zwingend sofort entfernt werden. Er sollte jedoch dokumentiert, regelmäßig kontrolliert und vor mechanischer Beschädigung geschützt werden. Bei geplanten Sanierungen muss er dann fachgerecht entfernt werden.

Wie teuer ist eine Asbestanalyse?

Eine Laboranalyse einer Materialprobe liegt üblicherweise im niedrigen dreistelligen Bereich. Die Probenentnahme sollte ein Fachmann durchführen, um eine Faserfreisetzung zu vermeiden.

Gibt es eine Asbestpflicht bei Verkauf?

Es gibt keine gesetzliche Pflicht, bei einem Immobilienverkauf ein Asbestgutachten vorzulegen. Der Verkäufer muss jedoch bekannte Belastungen offenlegen. Käufer sollten das Thema aktiv ansprechen und bei Verdacht eine Analyse beauftragen.

Was sind typische Floor-Flex-Platten?

Floor-Flex (auch Vinyl-Asbest-Platten oder VA-Platten) sind quadratische Bodenfliesen aus den 1960er und 1970er Jahren. Sie sind oft 25x25 oder 30x30 cm groß, 2 bis 3 mm dünn und haben eine marmorierte oder einfarbige Oberfläche. Häufig liegen sie unter späteren Bodenbelägen verborgen.

Enthält mein Eternit-Dach Asbest?

Faserzementplatten, die vor 1993 hergestellt wurden, enthalten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Asbest. Platten ab 1993 sind asbestfrei. Das Herstellungsdatum lässt sich oft an Prägungen auf der Unterseite der Platten ablesen.

Wer haftet, wenn Asbest bei einer Sanierung entdeckt wird?

Der Auftraggeber der Sanierung (Eigentümer) ist für die ordnungsgemäße Entsorgung verantwortlich. Der ausführende Betrieb muss die Arbeiten nach TRGS 519 durchführen. Wird Asbest unerwartet entdeckt, müssen die Arbeiten sofort eingestellt und ein Sachverständiger hinzugezogen werden.

Sie planen eine Sanierung oder einen Kauf und vermuten Asbest im Gebäude? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Sachverständiger Jörg Aichinger identifiziert verdächtige Materialien und empfiehlt das weitere Vorgehen.

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